Wenn Sie mit dem Schlittenhundesport beginnen möchten haben Sie das aller grösste aller Probleme gleich am Anfang! Ein Hundeteam aufzubauen das harmonisch zusammen arbeitet, das so trainiert ist das Sie es nicht unterwegs verlieren und vor allem sich und die Hunde nicht umbringen. Sie haben sich für eine der schwierigsten Aufgaben im Sport überhaupt entschieden.
Die Frage die Sie sich nun beantworten müssen ist: Wie möchte ich es angehen? Will ich schnelle Erfolge, koste es was es wolle, oder sind ist Ihnen eine seriöse, gründliche Arbeit mit Hunden wichtiger ? Lassen Sie sich nicht entmutigen, aber machen Sie sich auch keine Illusionen: Sie starten ein Projekt das mehrere Jahre oder Jahrzehnte dauern wird, und Sie Unmengen an Zeit, Nerven, Geld und Arbeit kosten wird.
Und niemand ist der geborene Hundetrainer oder Musher. Auch Sie müssen Erfahrungen sammeln, Rückschlage hinnehmen und mit Enttäuschungen fertig werden. Sie können natürlich auch einfach ein Weltklasseteam für eine Wahnsinnsumme – von einem den wir einen Killer nennen würden- zusammenkaufen und einfach auf Teufel komm raus los fahren um Ruhm zu ernten.
Wie es derzeit bei der jüngeren Mushergeneration gerade auch hier in Schweden Mode zu seien scheint. Aber ist es das was Sie wollen?? Hunde als Sportgerärt um Ihren Ehrgeiz zu befriedigen ?? Denken Sie noch einmal darüber nach was Ihnen wichtig ist. Wenn Sie schnelle Erfolge wollen, brauchen Sie hier erst gar nicht weiterzulesen.
Wenden Sie sich an einen der bekannten Iditarod Gewinner der letzten Jahre, kaufen für 50.000 Euro ein Team und für nochmals 50.000 Euro Equipment und fahren Sie los. Viel Spaß….
Das andere Extrem ist natürlich ebenso dumm weil es nicht funktionieren kann: Sich einfach ein paar Hunde von nächsten Tierheim zu besorgen und sich zu sagen: Die kriege ich schon hin. Nicht jeder “Schlittenhund” will und kann arbeiten. Und eine Ansammlung von Problemhunden ist kaum zu handeln, selbst wenn Sie lange Erfahrung haben.
Es ist hart das zu sagen aber viele dieser Tiere sind so verhaltensgestört das man die Hoffnung Sie in ein Rudel, geschweige den in ein arbeitendes und funktionierenden Team zu integrieren, einfach aussichtslos ist. Das einzigste was Sie erreichen sind verletzte und tote Hunde und Riesenkosten für den Tierarzt. Ebenso sollten Sie keine Hunde vom erstbesten Musher erwerben der Ihnen was vom Hundehimmel aus Erden erzählt. Wenn dem so ist, warum verkauft er diese tollen Hunde dann ??
Auch im Schlittenhundesport sind viele, zu viele geldgeile Leute unterwegs die nur auf einen Rookie (Anfänger) warten dem Sie das Fell über die Ohren ziehen können. Und es könen sich darunter durchaus “berühmte ” Namen befinden. Wer fragt schon genauer nach ?? Menschen lassen sich nun einmal leicht von tollem Schein blenden. Die Wahrheit sieht oft ganz anders aus…. .
Dazu ein Tip: Besuchen Sie den Züchter / Musher Ihrer Wahl doch mal unangemeldet und am besten zu einem Zeitpunkt der als unhöflicht gilt und ausserhalb der Saison. Ein Besuch im Hochsommer abends um 20.00 Uhr oder morgens um 7.00 kann überraschende Erkenntnisse bringen. Wir jedenfalls haben so manches sehen dürfen was sonst wohl hinter wohlfeilen Fassaden und grossen Züchter und Ethikpreisen gut versteckt wird. Ein seriöser Züchter/Musher wird Sich ob eines solchen Besuches zwar kaum in Sie verlieben, aber wenn Sie Ihre Motivation erklären, Ihnen zustimmen. Schlieslich muss auch er daran interessiert sein seinen “Berufsstand” sauber zu halten oder nicht ?? Werden Sie dagegen eilig und wohlmöglich mit Drohungen u.a. mit Anwälten des Hofes verwiesen nun ja, dann sollten Sie Ihre eigenen Schlüsse ziehen.
Was Sie ebenfalls bedenken sollten: Vergessen Sie Jack London und was Sie sonst so an romantischer Literatur gelesen haben. Hunde müssen weder groß noch kräftig aussehen, oft ist das Gegenteil der Fall. Das Verhältnis von Zugkraft, Ausdauer und Nahrungsbedarf stimmt bei großen Hunden meist vorne und hinten nicht. Und bedenken Sie auch etwas was Ihnen jetzt vielleicht profan vorkommt: Hundefutter. Hundefutter ist extrem teuer. Je besser desto teurer: 20 Hunde a 1 KG Hochernergiefutter pro Tag macht 30 X 20 Kg = 600 Kg pro Monat = 7,2 Tonnen im Jahr. Bei einen Preis von ca. 450 SEK pro 20 KG macht das………….. ca. 170.000 Kronen oder 17.000 Euro. Pro Jahr. Überlegen Sie sich also genau was Sie tun.
Und der allerwichtigste Punkt: Harmonie und Ruhe werden Sie , bei dem Stress das 10 bis 20 Tiere sowieso schon genug erzeugen, (dabei sind Hunde sehr sehr harmonische Wesen, 20 Menschen auf einem Haufen gibt meist sehr sehr schnell Tote wenn Sie sich nicht aus dem Weg gehen können, Hunde sind da wirklich m humaner) im Laufe der Zeit hoch und höher einschätzen. Belasten Sie sich also nicht schon am Anfang mit Problemen die Ihnen am Ende die Freude an den Tieren und am fahren gründlich verderben könnte.
Versuchen Sie sich wie ein vorsichtiger und intelligenter Schachspieler zu benehmen: Einen Schritt nach dem anderen und immer 20 Züge im Voraus denken.
Nach alle dem nun die Frage: Wie GENAU sollten Sie anfangen? Nun als erstes sollten Sie alles lesen was Sie in die Finger bekommen können. Von traditioneller Literatur bis hin zu alternativen Methoden. Erlebnisberichte, Internetseiten, Zuchtbücher einfach alles was Sie bekommen können. Wägen Sie die Informationen gegeneinander ab.
Bilden Sie sich Ihre Meinung und treffen Sie Ihre eigenen Entscheidungen. Aber: Es wird der Punkt kommen an dem Sie nicht mehr weiter wissen. Sie werden also, mehr oder weniger, jemand vertrauen müssen der Ihnen am Anfang hilft. Denn viele Musher sind sehr eigen und gehen von komischen Regeln beim Verkauf Ihrer guten Hunde oder Welpen aus: Man verkauft nicht an Anfänger, weil man Ja nicht weis ob die Ruhm und die Ehre bzw. den Ruf den man hat vom Rookie weitergeführt wird. Viele sind daran interessiert dass Ihre Hunde in den großen Rennen laufen und so den ” Erfolg” Ihrer Zuchtlinie bestätigen. Man wind Ihnen also kaum oder nur zögerlich weiterhelfen.
Und man wird versuchen Ihnen die jeweils “schlechtesten” Hunde zu verkaufen. Hier müssen Sie also durch Ihre Persönlichkeit und Ihre Ideen und Vorstellungen überzeugen. Dann kann es sehr hilfreich sein einige Jahre als Doghandler bei verschiedenen Mushern oder Züchtern zu arbeiten. Doghandler werden immer und überall, gerade in den nordischen Ländern, gesucht.
Aber auch hier sollten Sie ein Auge auf den Musher und den Kennel haben: Ausbeuterische Arbeitsverhältnisse sind oft noch an der Tagesordung. Und Sie machen sich wenn Sie kein Geld nehmen schnell selbst des Sozialversicherungsbetruges schuldig. Der Job ist zudem hart und dreckig, die Arbeitstage lang und das Klima meist kalt und oft auch nass.
Aber : Praxis ist die beste Ausbildung die Sie bekommen können. Desto mehr desto besser. Nochmals: Natürlich können Sie sich auch eine komplette Mannschaft kaufen, wenn Sie soviel Geld haben. Aber wollen Sie das?? Zudem ist es oft viel schwieriger ein Team zu führen das ein anderer Ausgebildet hat. Die Hunde sind nicht auf Sie geprägt ect. ect. pp. Und Sie als Anfänger haben wohl in den seltensten Fällen das KnowHow ein solches Team zu führen.
So nun haben wir lang und breit dargelegt wie es nach unserer Meinung nicht oder nicht so gut geht. Versuchen Sie es doch einmal so: Fragen Sie den Züchter Ihrer Wahl, ob er eine ältere Hündin oder ein paar Welpen abzugeben hat erklären Sie ihm das Sie weiterzüchten möchten und das Sie seine Hilfe benötigen.
Räumen Sie Ihm im Zweifelsfall das Recht ein die Welpen die er für am aussichtsreichsten aus Ihrem ersten Wurf hält umsonst oder zu einem niedrigen Preis zurück zu erwerben. Auf diesem Wege kommen Sie, mit seiner Unterstützung zu Ihrem ersten kleinen Team.
Aber nochmals unsere Warnung: Ein Hund wird 15 Jahre alt. Und ab 5 bis 10 Hunden sind im Laufe der Jahre schnell die Kosten eines Eigenheimes oder eines schönen Mercedes ausgegeben. Überlegen Sie also gut was Sie tun. Also denken Sie besser zweimal nach.
Bedenken Sie auch: Selbst wenn Sie alles was Sie finden konnten gelesen haben: Sie haben sehr wenig praktische Erfahrung. Alleine diese Tatsache wird Sie viele Fehler machen lassen. Und Fehler werden, wie überall sonst auch schnell sehr teuer. Und Sie arbeiten mit Tieren. Das heißt Ihre Fehler werden 15 Jahre alt….
So soviel zu diesen Aspekten. Nun zum Training.
Welpen Training – Nun wenn Sie bis hierher gekommen sind, dann sind Sie eines glücklichen Tages Besitzer eines Wurfes junger Welpen. Wie sollen Sie nun weitermachen um aus den süssen Kleinen ein Team arbeitswiller, fähiger Hunde zu bekommen?? Nun zum Glück ist dieser Teil nicht allzu schwierig, birgt aber immer noch genug Fallstricke für den Anfänger. Eine gute Grundlage auch und gerade für die notwendige Sozialisierung sind Welpentreffs mit anderen Hunden, Welpenkurse bei anerkannten Kapazitäten oder Vereinen.
Wenn Sie gute Kontakt zu einem Züchter oder Musher haben, vereinfacht dies die Dinge natürlich enorm. Eines ist absolut essentiell: Die Prägephase bei Welpen dauert von ca. der achten bis zur ca. 14 Woche. Was Sie hier an Grundlagen legen bzw. dem Hund an “Macken” beibringen ist nur sehr, sehr schwer wieder zu korrigieren. Legen Sie bereits hier die Grundlagen für einen verträglichen gut sozialisierten Hund, dann ist vieles später relativ einfach.
Aber binden Sie dem Fratz jetzt bloss kein Geschirr um. Dafür ist es jetzt noch viel zu früh. Gute Hinweise und einige Hilfen zum Thema Grundausbildung finden Sie an dieser Stelle. Die meisten Welpen bzw. Junghunde wollen arbeiten und sind sehr lernbegierig. Sie müssen Ihnen nur vermitteln das das ziehen und arbeitet etwas Positives ist. Das ist das Allerwichtigste: Die Hunde müssen Spaß an der Arbeit haben. Ist dies nicht der Fall, wird ab einem bestimmten Punkt Ihre Mühe vergebens sein. Der Spaß an der Arbeit, am Ziehen ist eine natürliche Veranlagung der nordischen Rassen. Die Hunde folgen lediglich Ihren Instinkten. Alzuviel bleibt für Sie da nicht zu tun.
Einen generellen Fehler allerdings dürfen Sie nie machen: Versuchen Sie um Himmels willen nicht junge untrainierte Hunde in einer schon austrainierten, laufenden Mannschaft auszubilden. Sie werden in vielerlei Hinsicht eine Katastrophe erleben. Zum Vergleich: Wenn Sie als Anfänger versuchen an Ihrem ersten Trainingstag einen Marathon zu absolvieren und dabei von 2 austrainierten Läufern “geschleppt ” werden, werden Sie anschließend, von körperlichen Verletzungen einmal abgesehen, garantiert keinen Spaß mehr an der Sache habe, einfach weil es nur eine Riesenquälerei war. Genauso würde es den Kleinen ergehen.
Jetzt propagieren zwar immer noch einige Herrschaften, auch Weltmeister und Iditarod Gewinner, die Auslese der härtesten und besten schon an diesem Punkt. Das heisst für diese “Musher”: Wer nicht spätestens im dritten Anlauf kapiert um was es geht ist ungeeignet und wird gekillt. Man verkauft das als Ersatz der natürlichen Selektion.
Aber die Wissenschaft ist da schon viel weiter: Es gibt genau wie beim Menschen auch bei Hunden Spätentwickler. Deren Talent kann sich erst im Alter von Jahren zeigen. Vom ethischen Aspekt mal ganz abgesehen. Wir sollten nun doch schon wirklich etwas weiter sein als der Neandertaler. Und wenn ein Tier oder auch zwei mal absolut kein Talent zeigen ist das auch nicht schlimm, oder ?
Wenn Ihre Welpen bzw. Junghunde im Alter von 6 bis 8 Monaten Ihre Grundausbildung in den grundlegenden Kommandos absolviert haben und dies gut beherrschen können Sie mit dem eigentlichen Schlittenhundetraining beginnen. Was während dieser Grundausbildung so alles passiert und wie man es macht zeigt Ansatz- und aussrissweise auch dieser Artikel von mir.
Wählen Sie dazu ein passendes X-Back Geschirr, am besten ein gut gepolstertes Modell aus. Zunächst wird dieses dem Hund nur zum Spazieren gehen oder Joggen angelegt. Denken Sie daran : Auch wenn Ihr Hund bereits erwachsen aussieht, Knochen, Muskeln und Sehnen sind noch im Wachstum und dürfen weder überlastet werden, noch verkümmern. Deshalb ist hier sehr viel Augenmaß vonnöten.
Wenn es soweit ist das Ihr Hund jedes Mal wenn er das Geschirr sieht freudig angelaufen kommt können Sie zum nächsten Schritt übergehen. Besorgen Sie sich eine alte Skidoo Matte und schneiden davon ein Stück von ca. 80 cm Länge ab. Daran befestigen Sie an den vorderen Ecken zwei stabile, abriebfeste Seile. Davor kommt ein kleiner Ruckdämpfer und wiederum davor ein ca. 2 Meter langes Stück Seil mit einem Karabinerhaken.
Diese Konstruktion hat den Vorteil das Sie nicht schwer ist und vor allen bei Hindernissen und Buckeln auf den Weg nicht springt und somit Ihren Junghund irritieren kann. Autoreifen und ähnliches sind zu schwer und hoppeln wie wild in der Gegend herum. Auch pendeln Sie hin und her und halten nicht “Spur” . All dies muss nicht sein und erschwert Ihnen nur das Training. Ferner sind solche Reifengeschichten auch nicht ungefährlich : Ruckzuck nehmen diese Dinge an einem Hang aufgrund Ihrer Form und Ihres Gewichts Geschwindigkeit auf und überholen Ihren Hund der dann leicht mal völlig überrascht umgerissen oder völlig irritiert wird.
So etwas muss nicht sein und kann gerade einen jungen und sensiblen Hund so erschrecken dass er jedes Mal Angst bekommt wenn er eingespannt wird. Nachdem Sie also Ihr Equipment vorbereitet haben suchen sie sich eine möglichst lange, gerade Strecke aus und gehen mit Ihrem Hund das erste Zugtraining an.
Dazu nehmen Sie einen Bauchgürtel und befestigen Ihn mit einer etwas längeren Leine an der Sie ebenfalls einen kleinen Ruckdämpfer eingearbeitet haben, ( ca. 5 Meter ) am X-back. Danach hängen Sie zusätzlich den “Schlitten” an . Höchstwahrscheinlich wird Ihr Hund auf das Kommando : OK, Go on jetzt schön einfach loslaufen.
Wichtig ist nun das Sie Ihn keinesfalls zu sehr bremsen sondern Ihm möglichst laufen lassen und HINTER Ihm mitjoggen. Sorgen Sie dafür das möglichst wenig Zug auf der Führleine liegt und der Hund das Gewicht der zugeschnittenen Skottermatte spürt. Versuchen Sie Ihm gleich zu vermitteln das jetzt nicht die Zeit zum stehen bleiben und herumschnuppern ist ,sondern das er bei Gewicht an seinem X-back laufen soll. Er wird das meist gerne tun, wenn Sie den Eindruck vermitteln das ganze sei auch für Sie ein Riesenspaß. Schaut er gelegentlich mal nach hinten oder wirkt sonst irritiert, versuchen Sie dies zu ignorieren und tun Sie einfach so als wäre das völlig normal.
Keinesfalls dürfen Sie folgende Fehler machen : Den Hund überholen, stehen bleiben ohne entsprechendes Kommando, den Hund ausschimpfen weil er nicht loslauft oder Irritiert nach Hinten schaut oder sonst wie enttäuscht reagieren wenn es nicht so funktioniert wie hier beschrieben.
Ignorieren Sie alles was der Hund falsch macht und vermitteln Sie ihm das dies ein Riesenspaß ist. Loben sie Ihn für jeden Schritt vorwärts. Gibt es ein Riesendurcheinander wegen der zwei Leinen oder anderem, stoppen Sie Ihren Hund mit dem richtigen Kommando und beginnen Sie von vorne.
Vergessen Sie nicht : Die Aufmerksamkeitsspanne Ihres Tieres ist wesentlich kürzer als Ihre eigene . Brechen Sie im Zweifelsfalle ab und versuchen es am nächsten Tag nochmals. Wenn diese Übung einwandfrei funktioniert und Ihr Hund brav einige Kilometer geradeaus trappt ohne sich von dem Stück Matte irritieren zu lassen, dann sind Sie ein sehr großen Schritt in Ihrem Training vorangekommen.
Fortsetzung folgt.
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